Digitale Bildung: Mehr als nur Smartboards in der Schule

Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht die Digitalisierung als die Herausforderung des 21. Jahrhunderts gesehen wird. Kaum ein Begriff ist mit so viel Bedeutung aufgeladen und gleichzeitig so unkonkret wie der der Digitalisierung. Und es gibt keinen Bereich, der davon nicht erfasst wird. Von der Industrie über den Gesundheitsbereich bis hin zum Verkehr – alle diese Bereiche werden zukünftig digital und lösen damit auf einen Schlag alle ihre bisherigen Probleme. So scheint zumindest die allgemeine Erwartung. Und auch vor einer der wichtigsten Institutionen macht die Digitalisierung nicht Halt: vor der Schule. Digitale Bildung heißt die Herausforderung unserer Zeit an unser Bildungssystem.

In aller Munde: Die digitale Bildung

Kaum ein Politiker, kaum ein Bildungsexperte, der in den letzten Monaten und Jahren nicht von der digitalen Bildung und der digitalisierten Schule gesprochen hat. Das Thema ist präsent wie nie zuvor und erlebt durch die Corona-Pandemie gerade einen erneuten Schub. Plötzlich müssen Schulen Hals über Kopf ihren Unterricht über das Internet organisieren. Ein enormer Kraftakt – nicht zuletzt, weil sich die Institution Schule wie kaum eine andere gegen digitale Medien gesperrt hat und einen internetfreien Raum geschaffen hat wie man ihn sonst nirgendwo mehr findet.

Doch was ist eigentlich die digitale Bildung? Heißt das nur, dass wir mehr WLAN und Smartboards in die Klassenzimmer bringen müssen? Mitnichten. Die digitale Bildung ist keine technische, sondern in erster Linie eine pädagogische Herausforderung. Digitale Bildung heißt nicht, dass die Technik vom Mittel zum Zweck erhoben wird. Ein fataler Irrglaube in der Debatte rund um die digitale Schule ist, dass es mit der technischen Ausstattung von unseren Klassenzimmern getan ist. Diese Annahme greift viel zu kurz. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, die richtigen Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.

Das Ziel: Die Vermittlung von digitaler Mündigkeit

In diesem Zusammenhang lässt sich der Begriff der digitalen Mündigkeit als Ziel der digitalen Bildung definieren. Digitale Mündigkeit bedeutet nichts anderes als dass man bewusst und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen kann. Oftmals hört man, dass die Schülerinnen und Schüler von heute als sogenannte „digital natives“ bereits Meister im Umgang mit den digitalen Medien sind. Doch das greift zu kurz: in der digitalen Bildung geht es nicht darum, dass die Schülerinnen und Schüler die technischen Geräte einwandfrei bedienen können. Vielmehr geht es um die Vermittlung von Kompetenzen, die für einen mündigen Umgang mit der Digitalisierung unverzichtbar sind.

Doch welche Kompetenzen sind das? Ein Blick auf die Herausforderungen, die das Internet mit sich gebracht hat, hilft bei der Suche nach den Antworten. So ist die Einordung von Informationen aus sozialen Netzwerken sowie das Verständnis der dahinterliegenden Mechanismen unverzichtbar für einen kontrollierten Umgang mit Facebook, Instagram, TikTok und Co. Nur wer weiß, wie diese Plattformen ticken, kann sich vor den negativen Auswirkungen schützen und die darüber kursierenden Informationen einordnen. Und nur wer weiß, warum Datenschutz wichtig ist und warum die Ausrede „Ich habe doch nichts zu verbergen“ viel zu kurz greift, kann die Debatten über Big Data verstehen und sich ein fundiertes Urteil darüber bilden.

Doch es sind nicht nur die Urteilskompetenzen, sondern auch ganz praktische Kompetenzen, welche die digitale Bildung ausmachen. Das Arbeitsleben und auch bereits das Studium oder die Ausbildung, die sich an die Schule anschließen, sind von digitalen Medien dominiert wie nie zuvor. Ein versierter Umgang mit Computern, Tablets und Smartphones ist keine nette Zusatzqualifikation mehr, sondern eine unverzichtbare Fähigkeit. Und wer, wenn nicht die Schule, soll diese Fähigkeiten vermitteln?

Bildet erst die Lehrer aus!

Um diese Fähigkeiten zu vermitteln, müssen erst die Vermittelnden geschult werden: keine digitale Bildung ohne Weiterbildung für die Lehrkräfte. Der Ansatzpunkt dafür: das Lehramtsstudium. In allen Bereichen der Lehrer*innenausbildung gilt das Prinzip, dass die Lehrkräfte stets ein umfassendes Fachwissen erworben haben müssen, um unterrichten zu können. In fast allen Bereichen: die Vermittlung von digitalen Kompetenzen für die Lehrkräfte findet nicht statt. Obwohl das Internet und die Digitalisierung omnipräsent sind, finden diese Dinge keinen Eingang in die Ausbildung der zukünftigen Lehrkräfte. Das ist fernab der Realität in den heutigen Schulen. Die Folge? Lehrkräfte müssen sich digitale Didaktik selber beibringen. Jede Schule strickt sich eigene Konzepte, die immer vom Know-How der daran beteiligten Lehrkräfte abhängen. Eine Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit wird damit nicht einmal im Ansatz gewährleistet.

Verhindern können wir das nur, indem digitale Bildung nicht als technisches Problem, sondern als pädagogische Herausforderung betrachtet wird. Denn nur wenn klar ist, dass es weniger um die technischen Geräte in den Schulen, sondern vielmehr um die Vermittlung von Kompetenzen geht, können die richtigen Schritte wie digitale Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte, Festlegung von digitalen Kompetenzen und Erarbeitung von didaktischen Methoden für den digitalen Unterricht gemacht werden. Und ja: das kostet Geld und zwar nicht wenig. Doch es geht um die Bildung der kommenden Generationen. Und das muss es uns wert sein. Bildung ist eine Investition in die Zukunft – und dazu gehört auch die digitale Bildung.

Fazit: digitale Bildung ist mehr als nur WLAN

Es zeigt sich: digitale Bildung bedeutet mehr als nur Handys und Smartboards in allen Klassenzimmern. So wie die Digitalisierung unseren Alltag und unser Berufsleben von Grund auf revolutioniert, tut sie das auch mit unseren Schulen. Und diese dürfen sich dieser Entwicklung nicht verschließen, sondern müssen im Sinne einer zeitgemäßen Bildung der kommenden Generationen digitale Kompetenzen vermitteln. „In der Schule lernt man für das Leben“: Dieser Grundsatz gilt nur dann noch für das 21. Jahrhundert, wenn die Schulen die Herausforderung der digitalen Bildung annehmen und meistern.

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